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Dialektisch-Behaviorale Psychotherapie (DBT)

 

Dialektisch-Behaviorale Psychotherapie (DBT)

Fachgebiet Kinder- und Jugendpsychiatrie

Dialektisch-Behaviorale Therapie für Jugendliche (DBT-A)

"Ich habe einen Begleiter, dieser Begleiter tief in mir drin ist diese große Leere. Sie begleitet mich täglich, ja sogar stündlich – nein man kann fast immer sagen.
Manchmal ist sie ganz schwach, dann geht es mir gut. Aber meist ist sie so stark, dass ich denke, sie würde mich innerlich auffressen. Es zerstört mich, ich gehe an diesem Gefühl kaputt...Ich will dass es aufhört und zwar sofort. Ich kann so nicht mehr weiterleben! Ich will nicht mehr!" (Angelina 17 Jahre; Borderline-Persönlichkeitsstörung)

Heftige, nicht zu kontrollierende Stimmungsschwankungen, Verunsicherung bzgl. der eigenen Identität, impulsives und selbstverletzendes Verhalten, Suizidversuche und parasuzidale Handlungen…. eine Auswahl an Störungen des Erlebens und Verhaltens bei Jugendlichen, mit denen wir uns in der Kinder- und Jugendpsychiatrie aktuell immer häufiger konfrontiert sehen.

Diagnostisch lässt sich dies mit den Begriffen "Affektive Dysregulation", "Emotionsregulationsstörung" und unter Berücksichtigung des jugendlichen Alters unserer PatientInnen auch als „Persönlichkeitsentwicklungsstörung, Borderline-Typ“ umschreiben.
Abrupte Stimmungswechsel, tiefe Traurigkeit, Verzweiflung und ein Gefühl innerer Leere lässt diese Jugendlichen in ihren Beziehungen zu Erwachsenen und Gleichaltrigen "Achterbahn fahren".
Charakteristisch sind wiederkehrende massive Konflikte in den jeweiligen Herkunftsfamilien oder Wohngruppen, in Schule und Betrieb.
Ist es im bisherigen Leben der Betroffenen zu einer Traumatisierung gekommen, erschweren dissoziative Störungen zusätzlich die Alltagsbewältigung dieser Jugendlichen.
Vermehrter Alkohol- und oder Drogenkonsum in der Folge können teilweise als Eigenbehandlungsversuche i.S. einer dysfunkionalen Affektregulation verstanden werden.

Selbstverletzendes Verhalten, ein häufig beobachtbares Phänomen bei diesen Jugendlichen, kann ganz unterschiedliche Formen annehmen. Am bekanntesten ist das sogenannte Ritzen oder sich schneiden mit Gegenständen wie Rasierklingen, Messern oder Scherben. Aber auch Verbrennungen beigefügt mit Zigaretten, Radiergummis oder Bügeleisen, sich Verbrühungen zufügen, abbeißen von Fingerkuppen, wiederholtes Kopfanschlagen zählen ebenso wie ungenügend essen oder trinken hierzu.

In den Selbstbeschreibungen der betoffenen Jugendlichen finden sich Äußerungen wie "ich halte diese innere Anspannung, diesen enormen Druck nicht mehr aus", oder "das schwappt wie eine riesige Welle über mich hinweg... ich kann gar nicht mehr unterscheiden, ob ich wütend, verzweifelt bin oder mich nur noch selbst hasse..." oder "manchmal fühle ich gar nichts mehr, bin innerlich leer... wie erstarrt".
Selbstverletzendes Verhalten hilft diese selbst als äußerst unangenehm empfundenen emotionalen Zustände kurzfristig zu beenden.
"Wenn ich mich dann schneide, werde ich ruhiger, spüre mich wieder für einen Moment, bin nicht hilflos ausgeliefert, sondern habe Kontrolle über die Situation."

Das bedeutet, dass selbstverletzendes Verhalten eine "Ventil-Funktion" besitzt, entlastet und aus der subjektiven Sicht der Betroffenen zumindest für einen kurzen Moment eine Verbesserung bringt. Es dient der Reduktion der inneren Anspannung und der Regulation von intensiven unangenehmen Gefühlen und Gedanken bzw. dem Beenden von Dissoziationen und Flasbacks.
Insofern kann selbstverletzendes Verhalten suizidales oder impulsives Verhalten auch verhindern, wirkt sozusagen "suizidprophylaktisch".
Danach einsetzende Scham- und Schuldgefühle bis hin zu Selbsthass für das, was sie da mit sich tun, führen häufig zu einem erneuten Anstieg der inneren Anspannung - ein Teufelskreis.

Wie reagieren Eltern, Erwachsene, Pädagogen auf selbstverletzendes Verhalten?
Hier finden sich in aller Regel Hilflosigkeit und Überforderung, Angst und Unverständnis und damit einhergehender Kontrollversuche und entsprechende Bewertungen wie "die agiert,  manipuliert, will nur Aufmerksamkeit".
Doch weder trösten, intensive Zuwendung noch sanktionieren hilft hier. Die Jugendlichen fühlen sich unverstanden und brechen Beziehungen ab. Damit einhergehende Scham- und Schuldgefühle führen dazu, dass Selbstverletzungen und Suizidalität verheimlicht werden.
Ein hoher Veränderungsdruck führt bei den Jugendlichen eher zu einer Verteidigungshaltung und der dysfunktionalen Grundannahme: "So wie ich bin, bin ich nicht in Ordnung." Dies führt dazu, dass selbstverletzendes Verhalten häufiger auftritt.

Dialektisch-Behaviorale Therapie für Jugendliche DBT-A

Die DBT wurde in den 80iger Jahren von Marsha Linehan (Seattle, USA) als störungsspezifische Therapie für chronisch suizidale Patienten mit Borderline-Persönlichkeitsstörung (BPS) entwickelt. Die DBT integriert ein weites Spektrum an therapeutischer Methodik aus dem Bereich der Verhaltenstherapie, der kognitiven Therapie, der Gestalttherapie, der Hypnotherapie und der Meditation (Zen-Buddhismus)
Da bislang keine spezifische Therapie für suizidale und/ oder selbstverletzende Jugendliche existierte, entstand Mitte der 90iger Jahre eine für Heranwachsende modifizierte Form, die DBT-A, „Dialectic-Behavioral Therapy for Adolescents“ (Arbeitsgruppe Alec L. Miller und Jill H. Rathus, Bronx, New York, USA).
Die DBT-A setzt sich zusammen aus Einzel- und Gruppentherapie (Skillstraining, Achtsamkeitsgruppe und Körpertherapie) und bezieht Familienangehörige mit ein.
Das Programm liegt in manualisierter Form vor und wurde an der Kinder- und Jugendpsychiatrie Freiburg (Arbeitsgruppe Böhme, Fleischhaker, Mayer-Bruns, Schulz, 2001) in Deutsche übersetzt.
An der SHG-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie/-psychotherapie in Kleinblittersdorf entstand eine graphisch überarbeitete Form (Eisenbeis, John, 2006).

In Kleinblittersdorf haben wir das DBT-A Programm mit unserem erlebnistherapeutischen Ansatz verknüpft. Während im Erwachsenbereich kognitive ausgerichtete Module zu einer Verbesserung von Selbstwert und Selbstwirksamkeit der PatientInnen dienen, übernehmen dies unsere handlungs- und erlebnisorientierten Settings Klettern, Kajak-/Kanufahren und Hochseilgarten.

DBT-A Behandlungsziele
Die Therapie gliedert sich in drei Phasen:

In Phase I steht die Bearbeitung von Suizidalität und Selbstverletzungen sowie Verhaltensweisen, die die Lebensqualität der Jugendlichen in erheblichem Maße beeinträchtigen (z.B. Drogenkonsum, Essstörungen, Wohnungslosigkeit, dissoziative Störungen…) im Vordergrund.

In Phase II geht es um die Bearbeitung kognitiver und emotionaler Folgen früher Traumatisierung und

Phase III schließt mit Neuorientierung und Integration bzw. der Entwicklung von Lebensplänen in den Bereichen Familie, Peergroup, Schule und Ausbildung ab.

DBT-A Module sind:

  • Stresstoleranz
  • Emotionsregulation
  • Zwischenmenschliche Fertigkeiten
  • "Goldener Mittelweg"
  • Achtsamkeit


Die Jugendlichen lernen, anders mit Stress umzugehen, wieder mehr Kontrolle über schwierige Gefühle zurückzuerlangen und adäquate Beziehungen zu Gleichaltrigen und Erwachsenen aufzubauen.

Die Jugendlichen erlernen außerdem, sogenannte Skills als Handlungsalternativen zu selbstverletzendem und selbstschädigendem Verhalten einzusetzen. Die Skills werden individuell zusammengestellt (Bezugspersonenstunde), erprobt und immer wieder überprüft (therapeutische Hausaufgaben).

Im vierten Modul "Goldener Mittelweg", geht es um typische Konfliktsituationen bzw. Dilemmata zwischen pubertierenden Jugendlichen und ihren Eltern bzw. Bezugspersonen (z.B. "Problemverhalten bagatellisieren vs. typisches Jugendlichenverhalten überbewerten" oder "Autonomie erzwingen vs. Abhängigkeit fördern").
Dem amerikanischem Beispiel folgend haben wir begonnen während der Bearbeitung dieses Moduls die Eltern der Jugendlichen mit in die Skillsgruppen einzuladen. Dabei geht es in der direkten Auseinandersetzung zwischen Jugendlichen und Eltern um die wertschätzende Wahrnehmung der jeweils anderen Perspektive und das konstruktive Aushandeln von tragfähigen Kompromissen an ganz konkreten Beispielen. Die ersten Erfahrungen haben uns so positiv gestimmt, dass wir zusätzlich Elterngruppen eingerichtet haben, welche eher den Charakter von Coaching haben und z.B. Verständnis für das spezifische Störungsbild wecken, Ursachenzusammenhänge bzw. das Problemverhalten aufrechterhaltende Bedingungen aufzeigen und Veränderungs- und Lösungsstrategien erarbeiten.

Weiterentwicklung des DBT-A Ansatzes
Neben der Etablierung eines 12 wöchigen stationären DBT-A Therapieprogramms in Kleinblittersdorf haben wir auch eine teilstationär/ ambulante Gruppe (SHG-Tagesklinik Schönbach, Dipl. Psychologin Andrea Dixius) aufgebaut und in Kooperation mit der Arbeiterwohlfahrt ein Konzept für eine Nachsorgeeinrichtung im Komplementärbereich entwickelt („TiW“ – Therapeutische Intensivwohngruppe).

Wissenschaftliche Begleitung der DBT-A Programme
Im Jahr 2006 haben wir begleitend zum Aufbau der stationären DBT-A Einheit mit der wissenschaftlichen Evaluation unserer Programme begonnen (Dipl. Psychologe Stefan Eisenbeis, Dipl. Psychologin Jasmin Dallmeier, Dipl. Psychologe Oliver John.) Die ersten Pilotstudien in den Jahren 2006 bis 2008 weisen Ergebnisse i.S. signifikanten Verbesserung der entscheidenden Parameter der Emotionsregulation bei Jugendlichen mit Symptomen einer Borderline-Störung als auch einen signifikanten Rückgang der allgemeinen Pychopathologie im Pre-Posttestvergleich nach, die die Ergebnisse einer Studie an der Kinder- und Jugendpsychiatrie der Universitätsklinik Freiburg replizieren.

DBT-A Achtsamkeitsgruppe

In dieser Gruppe wird versucht, eine neue Einstellung und innere Bereitschaft herzustellen, die es ermöglicht, wertfrei nur das wahrzunehmen, was einem „im Hier und Jetzt“ begegnet.
Die Inhalte der einzelnen Stunden sind das achtsame Wahrnehmen und nachfolgende Beschreiben einer gegebenen Situation (z.B. ein Geräusch, eine duftende Blume...) auf der Ebene von einem der fünf Sinne:

  • Riechen
  • Schmecken
  • Fühlen
  • Sehen
  • Hören

Zudem erstellt jeder Patient einen persönlichen DBT-Ordner und eine selbstgestaltete Skillsbox.

Ziel der Gruppe ist, die Wahrnehmung und Konzentration zu verbessern, in der Gegenwart zu bleiben und mithilfe der Übungen eine nicht bewertende Haltung einzunehmen, um Gefühl und Verstand ins Gleichgewicht zu bringen.

Weitere Informationen erhalten Sie bei dem Ansprechpartner für das DBT-Programm:

Ltd. Dipl. Psych. Andrea Dixius
Telefon: +49 (0) 68 05/92-82-0
E-Mail: a.dixius(at)io.shg-kliniken.de

 

Hier erhalten Sie mehr Informationen zu unserer Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.

Fachgebiet Erwachsenenpsychiatrie

 

 

 

 

Was ist Borderline?

Im Mittelpunkt der Borderline-Symptomatik wird heute eine Störung in der Regulation der eigenen Gefühle gesehen. Borderline-Personen reagieren rasch mit starken Gefühlen. Innerlich kommt es zu ausgeprägten Erregungszuständen, bei denen oft gar keine einzelnen Gefühle unterschieden werden können. Dieser quälende Anspannungszustand hält oft stundenlang an und kann zu Selbstverletzungen führen, wie z. B. sich zu schneiden.
Es kommt zu impulsivem Verhalten, Wutausbrüchen, Problemen in der Partnerschaft und im Beruf. Nicht selten ist die Trennung vom Partner und/oder der Verlust des Arbeitsplatzes die Folge.
Das Gefühl, fremd zu sein, sich leer zu fühlen, gar nicht genau zu wissen, wer man wirklich ist, sind weitere Merkmale.
Etwa 1,5 % der Bevölkerung leiden an einer Borderline-Störung.

Wie "erkrankt" man an Borderline?

Die Entstehung einer Borderline-Erkrankung erklärt man sich heute durch eine Kombination von genetischen Faktoren und problematischen Erfahrungen in der Kindheit und Jugend.
Genetische Dispositionen führen zu einer erhöhten "Verwundbarkeit" der Person. Negative Lebenserfahrungen (z. B. durch Vernachlässigung, Traumata, Erfahrungen von Gewalt und Missbrauch, aber auch Überbehütung) können dann zur Entwicklung einer Borderline-Störung führen.

Wie sieht die Behandlung an der Klinik für Psychiatrie in Saarbrücken aus?

An der Klinik für Psychiatrie der SHG-Kliniken Sonnenberg wird seit 2001 ein Programm für Borderline-Patienten nach dem Konzept der "Dialektisch-Behavioralen Psychotherapie" (DBT) durchgeführt.


Zu Beginn erfolgt mindestens ein Diagnosegespräch. Bei Vorliegen einer Borderline-Störung und Motivation für die Therapie kommt die Person auf eine Warteliste. Voraussetzung für die Aufnahme der Therapie ist, dass keine akute Suchtmittelabhängigkeit und keine Fremdgefährdung durch Aggressivität vorliegt.
Das Therapieprogramm selbst geht über insgesamt 13 Wochen.
Die Behandlung beginnt mit einer dreiwöchigen ambulanten Vorbereitungsphase, in der die zentralen Problembereiche und Therapieziele erarbeitet werden. Anschließend erfolgt die stationäre Aufnahme mit einer vollstationären Phase von 6 Wochen und einer teilstationären Phase von 4 Wochen. Während der teilstationären Phase sollten die Patienten nahe der Klinik wohnen, da eine tägliche Präsens notwendig ist.


Die stationäre/ teilstationäre Therapie besteht aus intensiven Einzelgesprächen sowie verschiedenen Gruppenangeboten. Eine Besonderheit der DBT-Therapie sind die sogenannten Skills-Gruppen, in denen Fertigkeiten zum besseren Umgang mit inneren Anspannungszuständen, mit Gefühlen und mit anderen Menschen erlernt werden. Basis dafür ist ein besserer Zugang zu sich selbst, der mit Hilfe sogenannter Achtsamkeitsübungen aufgebaut wird.
Die Therapie wird durch ein ganzes Team in der Klinik durchgeführt, das aus Psychologen, Ärzten, Pflegekräften, Sozialarbeitern, Ergo-, Sport- und Musiktherapeuten besteht.
 
Nach der Therapie sollten die Patienten eine ambulante Psychotherapie aufnehmen oder weiterführen, um die eingeleiteten Veränderungen in ihrem Alltag festigen und fortsetzen zu können.
Neben dem stationären Angebot bieten wir eine ambulante Skills-Gruppe an, in der die oben beschriebenen Fertigkeiten ebenfalls vermittelt werden. An dieser Gruppe können einerseits Patienten nach der stationären DBT zur weiteren Festigung und Vertiefung teilnehmen. Andererseits ist diese Gruppe auch für Patienten mit einer Borderline-Störung, die noch ganz gut in ihrem Leben zurecht kommen und zur Zeit keine so intensive Maßnahme wie die stationäre Therapie brauchen. Voraussetzung ist auch hier wieder ein Diagnosegespräch sowie die gleichzeitige Durchführung einer ambulanten Einzeltherapie bei einem niedergelassenen Therapeuten.
Die Wirksamkeit der DBT-Therapie ist wissenschaftlich überprüft. Ca. zwei Drittel der Patienten kann mit dieser Behandlung deutlich geholfen werden.

Weitere Informationen erhalten Sie bei dem Ansprechpartner für das DBT-Programm:

Dr. Ernst Kern, Leitender Psychologe

Telefon: +49 (0) 6 81/8 89-22 05
E-Mail: e.kern@sb.shg-kliniken.de

Infobroschüre(n) zum Download

Dialektisch-Behaviorale Therapie für Jugendliche (DBT-A)

ambulant/teilstationär, KJPP Schönbach der SHG

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Dialektisch-Behaviorale Therapie für Jugendliche (DBT-A)

Infoposter

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Psychiatrische Klinik Sonnenberg

Integrierte Behandlung für Borderline-Persönlichkeitsstörungen nach dem Konzept der Dialektisch-Behavioralen Psychotherapie (DBT)

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